kanugeschichte.net


Home  |  Meilensteine  |  Material  |  Flüsse  |  Paddelpioniere  |  Befahrungen  |  Links  |  Kontakt
Flussbeschreibungen | Schwierigkeitsbewertung | Befahrungsregeln | Flussverbauungen | Campieren

Flussverbauungen

Berichte Protestveranstaltungen, eine Auswahl

"Iller, Lech, Isar, Inn
Strömen zu der Donau hin ...
'Das war einmal', werden unsere Kindeskinder sagen, wenn diese wilden, schönen Bergströme vollends in Kanäle und Stauseen verwandelt sind. ....... Welch ein gewaltiger 'Fortschritt' unseres Zeitalters der Technik!" (W. Frentz, 1952)

'Nachhaltigkeit bedeutet auch dass wir unseren Kindern und Kindeskindern Naturschönheiten erhalten.' (I. Entner, 2006)

'Ich bin das Land. Meine Augen sind der Himmel. Meine Glieder sind die Bäume. Ich bin der Fels, das Wasser. Ich bin nicht hier, um die Natur zu beherrschen. Ich bin selbst Natur.' (Indianische Weisheit)

Auszug aus der EU Wasserrahmenrichtlinie, 2000:
'Wasser ist keine übliche Handelsware, sondern ein ererbtes Gut, das geschützt, verteidigt und entsprechend behandelt werden muss.'


(Fotos frei fließender Flussabschnitte von Ilse Entner)

Österreichs Flüsse sind in Gefahr, 2011

'Während Sie dies lesen, arbeiten die Kraftwerksbetreiber Pläne für 150 (!) neue Großkraftwerke und hunderte Kleinwasserkraftwerke aus! Das ist das Aus für unsere letzten wunderschönen Flüsse und hat unglaubliche Auswirkungen auf Umwelt, Tiere und uns Menschen.'

Umfangreiche Informationen und eine Online-Petition finden Sie unter www.fluessevollerleben.at


Save the Blue Heart of Europe
A campaign for the protection of Balkan Rivers

Wir sind eine Koalition von NGOs, die die Kampagne 'Rettet das blaue Herz Europas' ins Leben gerufen hat, um auf die bevorstehende Staudammwelle auf der Balkanhalbinsel aufmerksam zu machen und die wertvollsten Flüsse und Flussabschnitte vor der Zerstörung zu bewahren.
www.balkanrivers.net


Erinnerungen an den Dim Cay, 2006

Weltweit werden Flüsse im Namen der Nachhaltigkeit verbaut. Der Dim Cay, eine Wildwasserperle in der Türkei, ist mittlerweile in einem Stausee untergegangen. Wir hatten das Glück dass wir ihn 2006 noch befahren konnten.









Flussbau in den 1950er Jahren





Fotos: Sepp Weber aus Bad Aibling



Verdon 1952 und dritte mittlerweile versunkene Verdonschlucht 1958, Fotos: Sepp Schächner aus Burgkirchen a.d. Alz


Salzach - Inn, 1950

Für die Befahrung der Salzach ist immer noch ein Fahrterlaubnisschein, ausgestellt von der Wasserstraßendirektion Regensburg, Kumpfmühlerstraße 6, Preis DM 2,-, notwendig.
Man kann die Fahrt schon in Freilassing auf der Saalach beginnen. Einbooten unterhalb des neuen Saalachwehres. Wehre, Hindernisse oder besonders zu beachtende Stellen sind nicht vorhanden. Freilassing bis Simbach am Inn 70km-Tagesfahrt. Im Sommer 1950 wird unterhalb der Salzachmündung auf dem Inn ein neues Kraftwerk gebaut werden.
Auf dem Inn sind folgende Wehre: Wasserburg, Teufelsbruck, Gars, Jettenbach-Töging, Ering und Egglfing. Die Staustufe Neuötting ist im Bau und wird 1950 fertiggestellt. Vor allen Wehren sind Warnungstafeln angebracht, für Ein- und Ausbooten sind Treppen vorhanden. (Max Schmid)

Quelle: Kanu-Sport Nachrichten, illustrierte Fachzeitschrift des Deutschen Kanusports, April 1950


Iller, 1949

Ein Bericht von Dr.Dr.Fröhlich (Ulmer Paddler),
Stand: 10. Juni 1949

In den letzten 20 Jahren, vor allem aber auch noch während des vergangenen Krieges, wurden in der Iller große Wasserkraftwerke erbaut, so dass die Befahrbarkeit erheblich eingeschränkt wurde.
Strecke Oberstdorf (147km bis zur Mündung) oder besser Fischen (143km) bis Hegge-Kempten (107km) nur bei gutem Mittelwasser fahrbar. Auf dieser Strecke drei Wehre, gut zu umtragen.
Strecke Hegge-Kempten bis Kempten Stadt, 4km, 5 Wehre, die zum Teil überhaupt nicht oder sehr schwer zu umtragen sind. Es ist daher ein Landtransport des Bootes auf dieser 4km langen Strecke nötig.
Strecke Kempten (103km) bis Mooshausen (53km). Jederzeit gut fahrbar mit Ausnahme von ausgesprochenem Niederwasser. Bei km 90 primitives Steinwehr. Von km 82 bis km 59,4 Stau durch vier große Unterwasserkraftwerke. Etwa bei km 57,3 Bau eines neuen Unterwasserkraftwerkes, das wahrscheinlich noch in diesem Jahr fertiggestellt wird.
Strecke Mooshausen (53km) bis Vöhringen bei Ulm (16km) überhaupt nicht fahrbar, selbst bei mittlerem Hochwasser ist im Flußbett kein Wasser. Ab Mooshausen befindet sich das ganze Wasser in den Kanälen und Seen der Oberschwäbischen Elektrizitätswerke. Die Befahrung der Kanäle ist verboten und im übrigen auch keinesfalls zu empfehlen. Zur Zeit erscheint es am zweckmäßigsten, die Iller nur bis Illerbeuren (km 63) zu befahren.
Strecke Vöhringen (km 16) bis zur Mündung in die Donau 2km oberhalb Ulm jederzeit, mit Ausnahme von ausgesprochenem Niederwasser gut Fahrbar. Ein Wehr bei km 9,2 links umtragen. (Quelle: Kanusport-Nachrichten, 1949)


Ein Wasserkraftwerk an der Enns? 1933

Zu den vielen Projekten, welche in den letzten Jahren über den Bau von Wasserkraftwerken verlauteten, ist nunmehr ein Neuartiges gekommen, welches geeignet scheint in Paddlerkreisen lebhaftes Interesse zu erwecken. Wie wir aus gut unterrichteter Quelle erfahren, soll unser bekanntestes und am meisten befahrenes Wildwasser - die Enns - bei Ternberg gestaut werden. Auf diese Art sollen die für den Betrieb eines soeben im Projekte fertigen Wasserkraftwerkes, notwendigen Wassermassen gesammelt und ihrer Verwertung zugeführt werden. Es erübrigt sich die Feststellung, dass durch die Verwirklichung dieses Planes das Aussehen unseres bekanntesten Wildflusses wesentlich verändert würde. Das Projekt ist bereits zum Gegenstand eingehender Verhandlungen geworden, doch wollen wir im Interesse der Romantik unserer Enns-Landschaft hoffen, dass auch diesmal wieder der mangelnde 'Nervus rerum' einen Strich durch diese unfreundliche Rechnung macht. (Quelle: Österreichischer Kajaksport, 1933)

Foto rechts: Beschreibung Ternberger-Schwallstrecke. (Quelle: Heurichs Streckkarte Enns, ca. 1920er Jahre)
Das Kraftwerk Ternberg ging 1949 in Betrieb. In den darauffolgenden Jahren wurden weitere Kraftwerke an der Enns gebaut: Großraming 1950, Rosenau 1953, Losenstein 1962, St.Pantaleon 1965, Garsten-St.Ulrich 1967, Weyer 1969 und Schönau 1972. Die Kraftwerke Staning und Mühlrading gingen bereits 1946 bzw. 1948 in Betrieb.


Walchenseekraftwerk und Faltbootfahrer, 1926

Im vergangenen Sommer wurde so manchem die Fahrt auf der oberen Isar verleidet, insbesondere vom Krünnwehr ab; wurde doch diese Fahrt im wahrsten Sinne des Wortes zur "Flußwanderung". Die Leitung des Walchenseekraftwerkes war wegen der "Senkungsschäden" am Ufer des Walchensees und wegen des außergewöhnlich trockenen Frühjahrs, besonders lange Zeit gezwungen, das ganze Isarwasser abzuleiten.
Durch diesen Wasserentzug war ein großer Teil der Bevölkerung der oberen Isar, insbesondere die Flößer, die Sägewerksbesitzer, geschädigt. Ihre Beschwerden wurden von der Kreisregierung Oberbayern durch folgende Regelung erledigt: Zur Sicherstellung des Holztransportes muß Zuschußwasser abgegeben werden und zwar auf der Strecke
  • Krünn-Vorderriß zum Abbinden der Flöße 10 Tage 25 Stunden lang 5 cbm/sec, zum Abtransport der Flöße an 10 den Abbindetagen folgenden Tagen 5 Stunden lang 10 cbm/sec
  • Vorderriß-Fall an 30 Tagen 7 Stunden lang soviel Wasser, daß die Wasserführung der Isar bei Vorderriß 15 cbm/sec beträgt
Diese Floßtage müssen bis zum 31. August des Jahres jeweils eingebracht sein; nach diesem Termin ist das Walchenseewerk nicht mehr verpflichtet, Zuschußwasser abzugeben, außer, es ist eine bestimmte Anzahl von Flößen fahrbereit.
Diese Regelung ist aber keine endgültige, vielmehr ist sie abhängig von der Durchschnittsmenge des zum Abtransport kommenden Holzes; eine Änderung kann frühestens in 5 Jahren erfolgen. Da aber mit der Vollendung der Waldbahn eine Abnahme des Floßverkehrs zu erwarten ist, dürfte dieser Wasserabgabezwang sicherlich noch mehr eingeschränkt werden.
Zur Räumung der Isarfahrrinne muß das Walchenseewerk jährlich einen Betrag an die Flößer entrichten. Es ist also zu hoffen, daß das wenige Wasser, das die Isar oft führt, wenigstens einigermaßen in einem Arm läuft, so daß auch der Faltbootfahrer seinen Vorteil hat.
Ferner sieht diese Entscheidung der Kreisregierung vor, daß der Walchensee nur bis zu einer bestimmten Höhe abgesenkt werden darf und daß die Auffüllung, wozu ja nur Isarwasser in betracht kommt, in normalen Jahren bis Mitte Juni, in wasserreichen Jahren bis längstens 1. Juli aufgefüllt sein muß.
Die Flößer können nun wohl ihr Gewerbe ausüben, aber an die Faltbootfahrer wurde nicht gedacht.
Das einzig Tröstliche ist, daß spätestens nach dem 1. Juli aus der Isar nur mehr das gewöhnliche Betriebswasser genommen wird und alles übrige im Isarbett verbleibt.



Obere Isar nach ungefähr 8 km Fahrt

Die Regierung hat geschlichtet, hat's allen soweit als möglich recht gemacht, wenigstens daß sie den Umständen entsprechend zufrieden sein können; uns Faltbootfahrern kann nur noch der Petrus helfen und sorgen, daß an recht vielen Sonntagen nach dem 15.6. bzw. 1.7. noch 10 cbm/sec, soviel als wir gebrauchen, übers Krünnewehr laufen. Drum:

Heil'ger Petrus mein,
Seh' auch Du das ein!
Wir vertrau'n ganz auf Dich,
Laß' uns Paddler nicht im Stich!

(Text: Joseph Bauer, Peißenberg
Foto: Max Schneider, München)


Deutsche Flüsse in Gefahr, 1925

Ihr Paddler und Ruderer, die Ihr auf den heimatlichen Flüssen wandert, erhebt Euch zu einmütigem Protest gegen die Erwürgung der lebendigen Flüsse. Rührige Hände sind am Werk, das strömende Flussleben durch Wehre abzudrosseln und die toten Ströme in Betonsärge zu betten.
Gegenwärtig bedrohen zwei Projekte süddeutsche Flüsse, den Neckar und den Main, andere werden wohl bald folgen. ... Es handelt sich nicht nur um die Erhaltung der alten Heidelberger Brücke; sie ist zwar eines der Kampfobjekte, aber vor allem ist sie das Symbol, dem der Aufschrei gilt: es handelt sich um die Erhaltung der einzigartigen Schönheiten des Neckartales zwischen Heidelberg und Wimpfen, und auch nicht nur um Schönheiten und Heimatbilder allein, sondern auch darum, dass uns ein Platz genommen werden soll, wo der Körper Erholung und Stärkung und der Geist Erfrischung und Freude schöpfen kann. ... Für Tiere und Pflanzen schafft man Naturschutzparke, Bauwerke bewahrt man durch Denkmalschutzpflege, für die Menschen scheint der Staat jedoch nur die Schutzhaft zu kennen, sonst müßte eine ganz andere Erörterung und Begründung verlangt werden, wenn so tiefgreifende Veränderungen an der Natur vorgenommen werden, wie sie die Kanalisation und Verbauung der Flüsse bietet.
Nich zurück zur Natur, sondern fort mit der Natur! Der von den Bauern aufgestellte Feldhüter verjagt uns vom Ufer, der künstlich stagnierte Fluss stinkt zum Himmel und verleidet das Baden, der Schleusenwärter erhebt etwa alle 4 Kilometer Wegegeld, gleichgültig, ob man durch die Schleuse fährt oder durch den Wärtergarten das Boot umträgt.
Das ist das Zukunftsbild des deutschen mittleren Flusses. Wir müssen uns dagegen zur Wehr setzen, besonders wenn nicht große allgemeine wirtschaftliche Interessen für die Verbauung der Flüsse vorliegen. Wir müssen frühzeitig zur Stelle sein und scharf aufpassen, dass wir nicht plötzlich mit unabänderlichen Dingen überrascht werden. In Heidelberg erlebten wir, dass uns vor wenigen Monaten noch offiziell versichert wurde, der Kanal von Heidelberg aufwärts käme auf Jahrzehnte hinaus nicht zur Ausführung, während jetzt unverzüglich der Bau begonnen wurde und in wenigen Jahren fertiggestellt sein soll.
In Gefahr sind nicht nur Neckar und Main, alle Flüsse mit Strömung werden wohl mit der Zeit der Zivilisation unterworfen, ihr freies Leben wird in Zwangsjacken eingesperrt. (Prof.Dr.Ritter v. Baeyer, Heidelberg, 1925).


Buchtipp: 'Rettet unsere Flüsse', 1998

'Rettet unsere Flüsse. Kritische Gedanken zur Wasserkraft.' Von Bernd Uhrmeister mit Beiträgen von Nicola Reiff und Reihnard Falter. Erschienen im Pollner-Verlag, 1998

'Eine Ahnung von der Schönheit unserer Flüsse aufleuchten zu lassen, ihre Gefährdung zu verdeutlichen, den Widerstand gegen ihre Zerstörung anzufachen und den Einsatz für ihre Erhaltung zu wecken, das sind die Anliegen dieses Buches.'


Protestveranstaltungen, eine Auswahl

Saalach, 2019

Der Wildflusscharakter der Saalach ist für das Salzburger Saalachtal prägend und stellt ein Bindeglied zwischen unverbauter Natur und verträglichem Tourismus dar. Geht es nach den Wünschen privater Investoren, dann soll die Saalach durch den Bau eines grenzüberschreitenden Ausleitungskraftwerks in Unken erneut gebändigt und ein Großteil ihres Wassers in eine über sechs Kilometer lange Betonröhre bis nach Schneizlreuth gezwungen werden. Das Rinnsal von 6,8 Kubikmetern Restwasser, welches weitgehend das ganze Jahr über auf der Ausleitungsstrecke übrig bleiben soll, ist für Wassersportler und lokale Rafting-Unternehmen nicht mehr nutzbar. Wenn grundsätzlich das Wasser fehlt, dann ändert daran auch der 'Erlebnischarakter' der vorgesehenen Wassersportrampe nichts.
Darüber hinaus wird der Aspekt der Natürlichkeit durch das geplante Bollwerk auch für Wanderer, Radfahrer und Erholungssuchende entlang der Saalach zerstört. Auch die ökologisch wichtige Flussdynamik durch Erosion und Sedimentation von Geschiebe im Flussbett, wird durch das Wehr unterbrochen. Die darauf spezialisierte Tier- und Pflanzenwelt geht verloren, was sich auch negativ auf noch unverbaute Flussabschnitte auswirkt. Zudem stellen Fischtreppen keine Lösung dar, da hier nur die stärksten der Starken flussauf schwimmen können - sofern sie die Aufstiegshilfe überhaupt finden. Fische orientieren sich an der Hauptströmung, was besonders beim Abwandern flussab dramatische Folgen hat. Die Ausleitung in den Kraftwerksstollen wird als der Hauptstrom gehalten, an dessen Ende zwei Turbinen stehen. Andere im Fluss lebende Kleinstlebewesen verenden im Schlick der strömungsberuhigten Stauzone, welcher zudem durch aerobe Prozesse zur Emission von kilmarelevantem Methan und CO2 führen. Dies alles und einiges mehr spricht besonders gegen die europaweit geltende Wasserrahmenrichtlinie, welche ein Verschlechterungsverbot für unsere Flüsse vorschreibt.
Nachdem im Bundesland Salzburg für den Bau des Wasserkraftwerks mit einem 2,8 Meter hohen Schlauchwehr zur Ableitung von bis zu 44 Kubikmetern Wasser, einem 6,3 Kilometer langen Stollen mit 5 Meter Durchmesser, einer Restwassermenge von 6,8 Kubikmeter und einer 7 Kilometer langen Ausleitungsstrecke keine Umweltverträglichkeitsprüfung (UVP) nötig ist, heißt es wieder in Boote, Rafts und auf SUPs zu steigen, um gegen den Bau des Wasserkraftwerks Unken-Schneizlreuth zu protestieren. Auf deutscher Seite wurde für das Kraftwerksprojekt eine UVP durchgeführt, das behördliche Verfahren dazu ist in naher Zukunft zu erwarten. Daher ist es jetzt umso wichtiger auf die Missstände eines Kraftwerkbaus in einem bisher unverbauten und naturnah bzw. natürlich fließenden Flußabschnitt durch eine gemeinsame Protestfahrt hinzuweisen! Aus ökologischer und sportlicher Sicht ist es dem Alpinen Kajak Club und seinen Freunden ein großes Anliegen die letzten Wildflussjuwele zu erhalten. Daher bittet der AKC diese Protestfahrt durch rege Teilnahme und Engagement zu unterstützen!

Mit besten Paddlergrüßen vom AKC!



Am Startplatz in Unken (Österreich)



Auch für die Saalach gilt die EU-Wasserrahmenrichtlinie und das Verschlechterungsverbot!

Dem Aufruf des AKC's folgten am Sonntag bei herrlichem Wetter über 300 PaddlerInnen und Saalachschützer. Desweiteren waren das Bayerische und österreichische Fernsehen (ORF) sowie das Reichenhaller Tagblatt vertreten. Die Medienvertreter wurden in einem Raft durch die Saalach geführt.

Organisiert wurde die Protestfahrt in diesem Jahr vom Alpinen Kajak Club (AKC) unter der Führung von Jobst Hahn in enger Zusammenarbeit mit der grenzübergreifenden Bürgerinitative 'Wasser ist Leben - Rettet die Saalach'. Vor Ort waren auch Vertreter des BUND Naturschutz und der Saalach Allianz, der Bayerische Kanuverband und der Salzburger Outdoor- und Wildwasserverband. Auch die Bürgermeister der betroffenen Gemeinden, Wolfgang Simon (Schneizlreuth) und Florian Juritsch (Unken), waren beim Start des Paddlercorsos mit dabei.

Vielen Dank an die Organisatoren der Veranstaltung und die zahlreichen Teilnehmer und Teilnehmerinnen aus dem In- und Ausland.

I.Entner, J.Hackinger, J.Hahn, 16.9.2019





Fotos: A.Klotz, M.Neumann und OWV
www.saalach-allianz.info


Gemeinsam sind wir stark! Koppentraun, 2006

Private Investoren wollten 2005 an der Koppentraun im steirischen Salzkammergut ein Kraftwerk bauen und dazu das Wasser in einer 5,3 km langen und 1,8 m dicken Pipeline ableiten. Für 0,1% des Gesamtstromverbrauchs der Steiermark sollten einer der letzten naturnahen frei fließenden Alpenflüsse, ein Fliegenfischer-Gewässer von Weltruf, ein international besuchtes Paddelrevier, ein toller Wildnis-Wanderweg und Arbeitsplätze im Tourismus geopfert werden.

Die "Initiative Koppentraun" hat zum Widerstand gegen dieses sinnlose Kraftwerksprojekt aufgerufen! Über 15.000 Unterschriften und knapp 6.000 online Petitionen wurden gesammelt, damit haben binnen kurzer Zeit über 20.000 Menschen NEIN zu diesem Kraftwerksprojekt gesagt!

Der Schulterschluss von Umwelt-, Fischerei-, Kajak-, Tourismusverbänden, Vereinen, Gemeinden und Einzelpersonen hat Wirkung gezeigt.





Am Abend wurde noch in Bad Aussee gepaddelt, war gar nicht so einfach mit den Fakeln







Text und Fotos: Ilse Entner
Das Fest an und für die Koppentraun, 2006


Für eine saubere Mur

Protestaktionen der Paddelgruppe des Alpenverein Graz von 1987 bis 1995

Noch am Anfang dieses Jahrzehnts galt die Mur als schmutzigster Fluß Österreichs, wenn nicht gar Europas. Der Zeitgeist der 1950er und 1960er Jahre hatte in verschiedenen Bereichen - Industrie und Städteplanung - das Seine zur Verschlechterung der Verhältnisse beigetragen.
Der Murgipfel des Jahres 1985, von der Stadt Graz initiiert und gemeinsam mit den zuständigen Bundes- und Landespolitikern verwirklicht, forderte konkrete Maßnahmen und bewirkte, dass die für die Abwasserreinigung nötigen Mittel über den Wasserwirschaftsfond bereitgestellt wurden: Es waren insgesamt 1,8 Milliarden Schilling! (Quelle: Bürgerinformation BIG, 1987)

Die 1. Murfahrt der Paddler erfolgte am 19.12.1987 von Weinzödl bis Puntigam. Organisiert vom Paddelwart Stanislaus Schmid des AV Graz. 'Wir fahren, bis die Mur grün ist.' Dieses Versprechen wurde eingehalten und jedes Jahr im Dezember für eine saubere Mur gepaddelt.



Bericht über die 2. Aktionsfahrt am 17.12.1988.



Infostand der Paddler auf der Hauptbrücke in Graz, 5. Protestfahrt am 21.12. 1991

1992, hat die Papierfabrik Leykam-Mürztaler angeküdigt aus der Chlorbleiche auszusteigen.



Protestfahrt 1995, Stani und Günter im Topo-Duo

Die Mur war in ihrem Mittel- und Unterlauf einst einer der schmutzigsten Flüsse Europas. Nach einem zehn Jahre laufenden Mur-Sanierungsprogramm kann nun mit Stolz vermeldet werden: Die Mur ist sauber bis mäßig verschmutzt. Leichte Grünfärbung und Zunahme der Fischpopulation sind die erfreulichen Auswirkungen. (Quelle: NZ, Mai 1996)

Dank der Anstrengungen aller Beteiligten für eine saubere Mur wurde aus den Protestfahrten ab 1996 ein traditionelles Weihnachtspaddeln der AV Gruppe Graz.

(Unterlagen, Fotos, Text: Stanislaus Schmid und Ilse Entner)


Bregenzer Ache
Demonstrationspaddeln 1989

Das Kraftwerk Alberschwende ging 1992 in Betrieb

Auf der Bregenzer Ache wurden vor dem Kraftwerksbau Wildwasserrennen ausgetragen. Annemarie Amslinger (Glas) wurde 1972 auf der Bregenzer Ache bei Egg in Österreich Deutsche Meisterin im Wildwasser-Abfahrt-Einzel.

Durch den jährlichen Stauseeablass zu Frohnleichnam kann die ehemalige Wildwasserstrecke (WW II-III) auch heute noch gepaddelt werden, wenn auch nur zu Frohnleichnam.
Bei meiner Befahrung der Bregenzer Ache 2007 vom Kraftwerk Andelsbuch bis zum Bahnhof in Lingenau traf ich einen älteren Herren im Polyesterboot der souverän seinen ehemaligen Hausbach paddelte und mir von früher erzählte.

Die Bregenzer Ach und ihre Nebenflüsse werden durch fünf Wasserkraftwerke der illwerke vkw AG zur Erzeugung von elektrischer Energie genutzt. Unter diesen befindet sich das Kraftwerk Langenegg, das die Bolgenach und die Subersach nutzt. Daneben existieren noch die Kraftwerke Alberschwende und Andelsbuch sowie die Kleinkraftwerke in Au und Schoppernau. (de.wikipedia.org/wiki/Bregenzer_Ach)






'Rettet die Brandenberger Ache'

Die Ache
'Die Brandenberger Ache ist in dem für das Projekt der Stadt Kufstein vorgesehenen Abschnitt zwischen Pinegg und dem Ausgang der Tiefenbachklamm ein Natur- und Kulturdenkmal allerersten Ranges und muss als solches in seiner Form unverändert erhalten bleiben.' (Manfred Gruber, Verein zum Schutze der Alpenpflanzen und -tiere e.V., 1977)

Demonstationsfahrt 1974
An der 1. Demonstrationsfahrt 'Rettet die Brandenberger Ache' 1974 nahmen zahlreiche PaddlerInnen auch aus der Bundesrepublik teil. Weitere Protestfahrten folgen und werden in Form von Wildwasserrennen durchgeführt. 1987 lehnen die Stadtvertreter von Kufstein das Kraftwerksprojekt, das die Verbauung der Brandenberger Ache vorsah, ab. (DKV, 100 Jahre für den Kanusport, 1914-2014)

2. Wildwasserrennen 1975
Protestieren Sie mit uns gegen die Verbauungspläne der Stadt Kufstein und nehmen Sie teil am 2. Wildwasserrennen am 26. und 27.4. 1975, auf dem Unterlauf der Brandenberger Ache bei Kramsach.

3. Wildwasserrennen 1976
am 8. und 9. Mai 1976 bei Kramsach Tirol.
Bericht: Teil 1, Teil 2,
Österreichs Paddelsport, Nr. 5/6, 1976


Protestaktionen Salzach, 1964, 1978, 2012, 2013

Wie alles begann
Am 5. Feber 1964 berichtet der Freilassinger Anzeiger darüber, dass sich Experten mit dem Salzachausbau beschäftigen. Die Österreichisch-Bayerische Kraftwerke AG plant eine Kette von insgesamt sechs Staustufen u.a. in Burghausen, Tittmoning, Laufen und Surheim.
Von da an engagiert sich der Freilassinger Heinz Tschimpke (damals SPD-Kreis- und Stadtrat) für eine frei fließende Salzach. Bereits im Feber 1964 schrieb er einen Leserbrief (Freilassinger Anzeiger) in dem er versuchte die Bevölkerung aufzurütteln. Weiters setzte er sich mit Max Schmid (BKV) in Verbindung der eine Protestfahrt der Paddler organisierte.

1964 ruft die geplante Salzachverbauung Paddler aus Österreich und Deutschland auf den Plan. Ca. 200 Kanusportler protestieren am 27./28. Juni 1964 zusammen mit Heimat-, Fremdenverkehrsvereinen und anderen Organisationen in Laufen und Burghausen gegen den Bau der geplanten Staustufen in der Salzach. Die Protestfahrt ging von Freilassing nach Burghausen.



In Laufen (Süddeutsche Zeitung, 1964)

1978 treffen sich hundert Paddler, um unter dem Motto 'Hände weg von der Salzach' gegen deren Verbauung zu demonstrieren. Mitorganisator der Protestaktion war die Paddellegende Sepp Schächner aus Burgkirchen a.d. Alz.

2012, 15.Juni die 'Aktionsgemeinschaft Lebensraum Salzach (ALS)' hat zu ihrem 25 jährigen Bestehen die örtliche und überörtliche Presse sowie das bayerische und österreichische Fernsehen und die lokalen Sender zu einer Presse-Plättenfahrt 'Kraftwerksfreie Salzach' eingeladen. Gefahren wurde von Tittmoning bis Raitenhaslach, die Pressekonferenz fand in der Klostergaststätte Raitenhaslach statt. Begleitet wurden die Plättenfahrer von Paddlern aus Österreich und Bayern.

2013, 27. April veranstaltet der BKV Bezirk Oberbayern sein Bezirksanpaddeln unter dem Motto 'Für eine frei fließende Salzach' eine Protestfahrt von Laufen bis Burghausen. Mit dabei waren offizielle Vertreter vom österreichischen Kanuverband, bayerischen Kanu-Verband, von der Aktionsgemeinschaft Lebensraum Salzach, Flüsse voller Leben, der Donau-Naab-Regen Allianz, der Isar Allianz, vom Bund Naturschutz und von der ortsansässigen Paddelabteilung des SVW Burghausen. Organisatoren ALS und BN (Erich Prechtl) und BKV (Ilse Entner).


Start in Laufen (2013)


Zwischenstopp in Tittmoning (2013)







Kundgebung in Tittmoning: v.l.n.r.: Ilse Englmaier BN, Gerhard Auer ALS, Oliver Bungers BKV, Erich Prechtl ALS und BN, Ilse Entner BKV
2. Reihe v.l.n.r. Alfons Kettner BKV, Tim Neupert BKV und Josef Paukner von der Donau-Naab-Regen Allianz (2013)


Ankunft der Paddler in Burghausen (2013)

Von 2014 bis 2019 wurden vom BKV und weiteren Organisationen Protestfahrten auf der Salzach organisiert.

Reichenhaller Tagblatt, 6.2.2021 (Franz Eder)
'Salzach soll wieder frei fließen' - diese Nachricht von Ende Januar in der Heimatzeitung über die ökologische Umgestaltung bei Tittmoning hat besonders Heinz Tschimpke (92 Jahre) gefreut: 'Immer, wenn der Mensch zu sehr in die Natur eingreift, schafft er sich Probleme.'

Fotos: H. Hacker, A. Pfeiffer, R.Zauner
Bericht: Ilse Entner


© Ilse Entner